|
ArtSimple - NetzGalerie ArtSimple - NetzGalerie ArtSimple - NetzGalerie Zum 20-sten Geburtstag Bürgerpark Saarbrücken 2009
|
NavigationDie Bürgerparkseiten:Veit-Prieur-Fischer-Dinkel 2009
Kiosk Bürgerpark Rondell
|
Zusammengetragene Informationen zum Bürgerpark SaarbrückenAuf den Seiten der Landeshauptstadt Saarbrücken war über den Bürgerpark am 03.05.2009 folgendes zu lesen: "Der Bürgerpark Hafeninsel liegt unmittelbar am Cityrand und ist der einzige größere, in seiner Ausprägung typisch postmoderne Park Deutschlands." "Der Bürgerpark am ehemaligen Hafengebiet entstand aus einer Trümmerwüste und Schutthalde und wurde zu einem Park mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten für die Bürger der umliegenden Stadtteile." "Wer flussabwärts an der Saar entlang spaziert, kommt unter der Westspange in den Saarbrücker Bürgerpark. Die 9 ha große Anlage hat einen Boule-Platz, eine Skateranlage und viele kleine Wiesen zum Ausruhen." "Im Bürgerpark wurden geschickt Relikte aus der Kohle- und Stahlzeit und moderne Elemente miteinander verknüpft. Und so findet man neben ehemaligen Schienenstücken oder Fundamenten auch ein Kastanienhain mit kleinem Amphitheater, ein "antikes" Wassertor oder ein großes Rondell inmitten von Heckengängen und Buschinseln sowie zahlreiche Baumalleen." "Spazierwege und kleine Trampelpfade verweben sich hier zu einem Netz, über das man den Bürgerpark genauer kennen lernen kann. Das Rondell im Bürgerpark dient im Sommer immer wieder als Freilichtbühne für Musikgruppen und der terrassenförmige Aufbau sorgt dafür, dass auch jeder etwas sieht." "Im Bürgerpark gibt es eine Skateranlage mit Half-Pipe." Quelle: Webseite der Landeshauptstadt Saarbrücken zum Bürgerpark am 03.05.2009 Bürgerpark auf der Hafeninsel, Saarbrücken"Der zerstörte und verschüttete Kohlehafen der Stadt Saarbrücken wird zum Kern der ökologischen Stadterneuerung - ein Ort, der seine Geschichte wiederspiegeln und dessen Infrastruktur die zerrissenen Stadträume wieder verbinden, der in der zeiträumlichen Verknüpfung vieler Ereignisse selbstverständlicher Teil des Stadtzentrums werden sollte. Um dies früh im Bewußtsein der Menschen zu verankern, wurde ein Experiment an den Anfang der Arbeiten gestellt: Gemeinsam mit Schülern und Studenten, vor allem aber Anwohnern der Umgebung gruben wir in den Schutt, siebten Material heraus, sortierten es und bauten damit Stützmäuerchen, Wege, Treppen, Hügel und Gärten. Heute zum Teil überwachsen, prägen diese Arbeiten immer noch das Bild des Parks." Quelle: Latz und Partner (PDF-Datei, Größe ~ 790 KB; abgerufen am 01.08.2009) Andreas Heiske über den Bürgerpark Saarbrücken (Erinnerungssammlung) 09.05.2009:
Zitat: Molschder Blatt Herbst 2008:
Der Bürgerpark Hafeninsel in Saarbrücken
|
|
Das Modell eines 'Bürgerparks' als wichtige innerstädtische Freifläche wurde politisch formuliert†– seine Umsetzung und Gestalt wurde in einem Gutachterverfahren kontinuierlich entwickelt, diskutiert und konkretisiert.
Mit diesem Gutachterverfahren sollten von dem beauftragten Landschaftsarchitekten drei unterschiedliche Konzepte entworfen werden und bezüglich ihrer Integrationsfähigkeit für die gestellten Rahmendedingungen, der freiraumplanerischen Verbesserungen, der ökologischen Wirksamkeit und der Integrierbarkeit in das Stadtgefüge und in die Verträglichkeit mit den verkehrstechnischen Bauwerken untersucht werden.
Das erste Konzept bezieht sich auf den 'klassischen Landschaftsgarten' und zeichnet den Traum der Stadt von der Natur, die die Stadt ausschliesst und ein fiktives Arkadien zeichnet.
Die 'ideale Natur' ist eine gepflegte und inszeniert Kunst-Landschaft, die dem Bürger ein bekanntes Naturerlebnis und ein vermitteltes Naturbild anbietet.
Die Landschaftsgärten des 18. und 19. Jahrhunderts hatten verschiedene 'Attraktionen', die auf der Hafeninsel mit Elementen erzeugt werden, die sich auf die Geschichte des Ortes und der Stadt bezie hen und auch die alte Industriekultur miteinbeziehen.
Der Monopteros wird durch eine alte Peniche , der Chinesische Turm durch einen Förderturm ersetzt.
Mit diesem Konzept wurde bereits – wenn auch nur ansatzweise – die Idee entwickelt, die Geschichte des Ortes als Kohleumschlagplatz und Hafen im Park zu thematisieren und sichtbar zu machen.
Die Kritik der Gutachter an diesem Konzept bezog sich hauptsächlich darauf, dass bei dem eingeschränkten Flächenangebot und der zuerwartenden Nutzungsdichte hohe Pflege und Unterhaltskosten zu erwarten wären†– Wiesen würden zertrampelt, Wäldchen könnten sich nicht entwickeln†– die Idee von Freiheit und Natur ist so nicht herstellbar.
Das zweite Konzept ist ein Stadtparkkonzept das sich stark an klassizistische und gründerzeitliche architektonische Parks anlehnt, das die Stadt schmückt und das Zitate französischer Stadtplätze enthält.
Die Kritik am Landschaftsgarten wird aufgegriffen und das Grün in die 'erste Etage' der Baumkronen gehoben. Die Flächen unter den Bäumen sind wassergebundene, offene Flächen, die unterschiedlichsten Nutzungsanforderungen entsprechen können.
Auffällig ist der 'Kanal', der die beiden Parkteile miteinander verbinden soll, teilweise begleitet von einer 'Treillage', einem Laubengang.
Das Element zitiert den Kanal der Villa Hadriana in Tivoli.
Die Verknüpfung mit der Stadtstruktur ist bei diesem Konzept unproblematisch.
Das Konzept verträgt hohe Nutzungsdichten†– hat allerdings den Nachteil, dass keinerlei Nutzungsspuren und Aneignungsmöglichkeiten bestehen, dass die Geschichte des Ortes radikal geleugnet wird†– er wird gebaut und ist fertig.
Es ist ein Konzept, das sich an jedem beliebigen Ort wiederholen liesse– ohne Rücksicht auf das besondere des Ortes und seiner Geschichte.
Beide Konzepte ignorierten die vorhandenen historischen Strukturen, überdeckten sie, vergruben sie. Die Ruinen der ehemaligen Schüttanlagen, die befestigten Krahnbahnen und die Ladeflächen wären bei diesen Konzepten verschwunden und hätten einem neuen Leitbild, hätten einem neuen Bau weichen müssen.
Die Entwurfsziele für diese Freifläche wurden im Laufe des Verfahrens zwischen Planern und Gutachtern kontinuierlich präzisiert und modifiziert.
Die wichtigsten Ziele:
Es ging darum die über viele Jahrzehnte gewachsene und entwickelte Geschichte dieses ehemaligen Hafens weiterhin im Bewusstsein der Stadt sichtbar zu machen und gleichzeitig den Elementen einen neuen Sinn zu geben ohne die alten Funktionen zu verklären.
Die neuen Verkehrsanlagen–Westspangen-Brücke und Parkhaus - und eine intensive (=dichte) Randbebauung (östlich der Brücke als Kerngebiet und Westlich der Brücke als Wohngebiet) sollten gut integrierbar sein.
Weitere Bedingungen zur Planung des Bürgerparks waren:
Es gibt für viele Bürger eine Naturwahrnehmung, die sich nicht an den 'kulturellen Idealen' der Kunstgeschichte oder der Gartenkunst orientiert, sondern die Alltagserfahrung sind†– die Brachen des Hunsrücks auf denen man Lager und Grillen kann, alte Lagerplätze, auf denen man bolzen kann, die ruderalen Fluren alter Halden, wo man Pflanzen entdecken und pflücken kann und auch Schmetterlinge und Vögel beobachten kann.
Das syntaktische Konzept erklärt die 'Alltags-Natur' zum Leitbild und verknüpft die tragfähigen Reste der ehemaligen Nutzung und der allmählich entstandenen Vegetation mit den neuen städtebaulichen und verkehrstechnischen Anforderungen.
[...]
Es galt auch die auf den Schuttbergen und den Trümmerflächen entstandene abwechslungsreiche Pflanzenwelt neu zu interpretieren und in Wert zu setzen. Diese existierende Vielfalt sollte nicht abgetragen und durch Allerweltspflanzen ersetzt werden.
Die vorhandene scheinbare Unordnung wurde von den Bürgern als ästhetisch nicht befriedigend, als Unort wahrgenommen und es galt deshalb Konzepte und Elemente zu entwickeln hier eine neue ästhetische Dimension zu vermitteln.
Die Planungshypothesen für Hafeninsel waren:
Planung besteht hier im Verbinden räumlicher, vorher nicht zusammen hängender Gebilde zu neuen stadträumlich wirksamen Strukturen
Planung besteht im Verbinden nicht zusammen gesehener Ereignisse zu zeit-räumlichen Strukturen†– Historie und Gegenwart und zukünftige Entwicklung fügen sich zu neuen Bildern zusammen.
Der syntagmatische Aspekt des Entwurfs 'Bürgerpark Hafeninsel' ist also die Verknüpfung der verschiedenen Elemente – der alten vorhandenen und der neuen addierten - zu einer neuen Aussage. Das Beinhaltet auch die individuelle Wahrnehmung des einzelnen Besuchers, dessen Erfahrungen und Kenntnisse, die – vielleicht zuerst verwirrend – aber viele Assoziationen und Bilder und damit Erlebnisse erzeugen können.
Wege, Sichtverbindungen, achsiale Beziehungen, aber auch ideale Verknüpfungen über individuelle Erinnerung an die Geschichte, über gesellschaftliche Nutzungen, über individuellen Gebrauch bekommen bei dieser Planungs'philosophie' eine besondere Bedeutung.
[...]
Andere Verknüpfungen mit persönlichen Erinnerungen wurden für Studierende in den Workshops auf der Hafeninsel die gemeinsam mit den dazu eingeladenen Bürgern durchgeführt wurden. Während dieser Steinleseaktionen oder der ersten Herstellung von Gärten wurden die Bürger der Stadt aufgerufen mitzuarbeiten oder Pflanzen aus ihrenGärten mitzubringen, um sie dort einzubringen. So wandern die bekanntesten und üblichsten Gartenpflanzen wie Astern, Iris, Akelei und Goldlack, Flieder und Rosen auf die Hafeninsel. Bereichern dort bereits während der Bauzeit die Unkrautflora und die wild sich entwickelnden Gartenflüchtlinge.
In die Grundsteinurkunde dürfen sich alle Helfer, nicht nur der Bürgermeister, eintragen†– man könnte von einer ersten Nutzung des Parks reden.
[...]
Hinweis: Das vollständige Skript ist unter folgender Adresse als PDF-Datei verfügbar (~ 4,2 MB):
http://www.weihenstephan.de/lap/lap/studium/skripte/download/L2Skript%20Umnutzung.pdf
(Stand: abgerufen am 17.05.2009)